Geschichte

Ansicht der Klosterkirche im Jahre 1690, geze­ich­net von Johann Strid­beck

Die Franziskan­er-Klosterkirche wurde zwis­chen dem Ende des 13. und der ersten Hälfte des 14. Jahrhun­derts im Osten Berlins an der Stadt­mauer erbaut. Die heutige Ruine der Klosterkirche ist neben der Niko­lai- und Marienkirche ein Zeug­nis früher sakraler Back­stein­gotik in Berlin und in dieser Bedeu­tung noch heute in ihrer ursprünglichen Gestalt erleb­bar. Das Gelände war dem Bet­telor­den im Jahr 1271 von den Mark­grafen
Bran­den­burgs Otto V. und Albert III. aus Verehrung geschenkt wor­den. Die Franziskan­er hat­ten sich 1249 kurz nach der Grün­dung Berlins in der Stadt niederge­lassen. Mit der Kirche wur­den sukzes­sive weit­ere Gebäude des Franziskan­erk­losters errichtet, welch­es nach den grauen Kut­ten derweiss Franziskan­er als „Graues Kloster“ beze­ich­net wurde. Der Bau der Anla­gen wurde durch die Schenkung ein­er im nahegele­ge­nen Tem­pel­hof ansäs­si­gen Ziegelei im Jahr 1290 durch den Rit­ter Jacob von Nebe­de befördert.1)Vgl. Leh, Gus­tav, „Das Franziskan­er Kloster in Berlin“ In: Berlin­er Heimat,
3/1958. S. 129

Die Franziskan­er-Klosterkirche, eine dreis­chif­fige Basi­li­ka mit 7/10 Chor­poly­gon, bestand aus Lang­haus, Lang­chor und dem Chorschluß, gebaut aus märkischem Back­stein. Errichtet wurde sie von West­en nach Osten.2)Vgl. Leh. S. 129 Lang­haus und Lang­chor müssen bere­its um 1260/65 errichtet wor­den sein, der Chorschluss fol­gte ver­mut­lich um 1290. Ein Teil der nördlichen Schif­fwand beste­ht aus Feld­stein­mauer­w­erk, das früher ent­stand als der Back­stein­bau.

Heinrich Krigar, Ansicht der Klosterkirche, 1832, Öl auf Leinwand

Hein­rich Kri­gar, Ansicht der Klosterkirche, 1832, Öl auf Lein­wand

Bei Grabun­gen fand man Fun­da­men­treste. Ob es sich jedoch um eine Feld­stein-Saalkirche als Vorgänger­bau han­delte ist in der heuti­gen Bau­forschung umstrit­ten. Die Berlin­er Klosterkirche weist zahlre­iche Ähn­lichkeit­en mit der ca. 1325 vol­len­de­ten Zis­terzienserkirche in Chorin auf: das Berlin­er Lang­haus scheint vor­bildlich für das der Kirche Chorins, der hohe polyg­o­nale Chorab­schluss Chorins vor­bildlich für den der Berlin­er Kirche gewe­sen zu sein.3)Vgl. Marx, Petra, „Zur Geschichte der bauhis­torischen Forschung und denkmalpflegerischen
Bemühun­gen – ein fachgeschichtlich­er Rück­blick.“ In: Lan­des­denkmalamt
Berlin (Hg.), Kirchen­ruine des Grauen Klosters in Berlin, Peters­berg:
Michael Imhof Ver­lag, 2007. S. 31–35
Als erstes voll­ständig in Back­stein aus­ge­führtes Gebäude in Berlin markiert sie den Beginn der regionalen Entwick­lung der Back­stein­gotik. Die Ruine gilt als let­ztes Bauzeug­nis mit­te­lal­ter­lich­er Klosterkul­tur in Berlin.4)Haspel, Jörg, „Die Berlin­er Klosterkirchen­ruine – eine Zukun­ft für unsere Ver­gan­gen­heit“
In: Lan­des­denkmalamt Berlin (Hg.), Kirchen­ruine des Grauen Klosters
in Berlin, Peters­berg: Michael Imhof Ver­lag, 2007. S. 8
Zeit­gle­ich mit der ersten Bauphase der Kirche müssen auch die ersten Klosterge­bäude ent­standen sein, das Refek­to­ri­um, eine Kapelle an der Nord­seite der Kirche und der Kreuz­gang, der den Kloster­garten umfasste.5)Vgl. Leh. S. 129 Mit der Ein­führung der Ref­or­ma­tion in Berlin/Cölln im Jahre 1539 wurde das Berlin­er Franziskan­erkon­vent aufgelöst. Ab 1571 befand sich in den Räu­men des ehe­ma­li­gen Klosters weiss die erste Berlin­er Druck­erei. Im Jahr 1574 wurde das Gym­na­si­um zum Grauen Kloster gegrün­det. Ihm wur­den die Räum­lichkeit­en des Grauen Klosters zugewiesen, darunter die Kirche, das Refek­to­ri­um und Beichthaus, ein Teil des Gartens mit dem Kreuz­gang und der Kirch­hof. In den fol­gen­den Jahren wur­den in den beste­hen­den Gebäu­den Schul­räume ein­gerichtet; Lehrerwoh­nun­gen und Unterkün­fte für die Schüler neu gebaut. Berühmte Schüler und Lehrer waren Karl Friedrich Schinkel, Friedrich Lud­wig Jahn und Otto von Bis­mar­ck. Ein dreigeschos­siges Direk­toren­wohn­haus wurde im Jahr 1786 an der Kloster­straße errichtet. 

Klosterkirche und Klosterstraße

Klosterkirche und Kloster­straße

Vor allem im 19. Jahrhun­dertwur­den die Schul­ge­bäude erweit­ert, so der Nord­flügel für Stern­warte und Aula umge­baut, der west­liche und östliche Teil des nördlichen Lang­baus umge­baut, der 1788 errichtete Quer­flügel zugun­sten eines neuen Gebäude­teils abge­brochen sowie der Kapi­tel­saal restau­ri­ert und aufgestockt.6)Vgl. Leh, S. 135 sowie http://www.diegeschichteberlins.de/geschichteberlins/
berlin-abc/stichwortehn/572-klosterviertel-4.html, 3.6.2016
Um 1900 ent­standen ein mehrgeschos­siges Lehrerwohn­haus und eine Turn­halle an der Lit­ten­straße. Die Klosterkirche, vom Gym­na­si­um nur zweitweise genutzt, wurde nach 
Auflö­sung des Franziskan­erkon­vents Fil­ialkirche von St. Niko­lai. In den Fol­ge­jahren ver­fiel die Kirche zuse­hends. Kleinere Ren­ovierun­gen fan­den zwis­chen 1583 und 1584 durch Leon­hard Thur­neysser statt. In den 1670er Jahren wur­den für den Bau von Schul­baut­enweiss der nördlich gele­gene Trep­pen­turm und die Kapelle abge­brochen. 1680 wurde ein sech­seck­iger Fach­w­erk­turm als Ersatztrep­penan­lage einge­baut. Nach einem Brand im Jahr 1712 wurde das Kirchen­dach mit nur einem Dachre­it­er über dem West­giebel und verän­dertem Giebel­turm wieder­hergestellt, Risse mit Gips aus­gegossen und zwei Chor­fen­ster zur Befes­ti­gung der Chor­wand zuge­mauert. Der Mit­tel­teil des stein­er­nen Let­tners wurde abge­brochen und der Fuß­bo­den um einen Meter erhöht, sodass die Sock­el der Pfeil­er nicht mehr zu sehen waren.7)Vgl. Leh. S. 129–135

W.Klose, Innenraum nach Osten, Lithographie um 1842

W.Klose, Innen­raum nach Osten, Lith­o­gra­phie um 1842

Wohl auch aus finanziellen Erwä­gun­gen wur­den nach ein­er Erhöhung des Fuß­bo­dens um 1719 unter den bei­den Seit­en­schif­f­en Grabgewölbe einge­baut, von denen sich das nördliche erhal­ten hat.8)Vgl. Bre­itling, Ste­fan Marx, „Die Franzik­san­er-Klosterkirche in Berlin: Ergeb­nisse
der bauhis­torischen Unter­suchun­gen 1999–2004“ In: Lan­des­denkmalamt
Berlin (Hg.), Kirchen­ruine des Grauen Klosters in Berlin, Peters­berg: Michael
Imhof Ver­lag, 2007. S. 123
Auf­grund zunehmenden Ver­falls wur­den schon ab 1800 weit­ere Ren­ovierungsar­beit­en notwendig. U.a. legten Karl Friedrich Schinkel und Chris­t­ian Got­tlieb Cant­ian hier­für Pläne vor. Schließlich wurde 1842 zunächst nach den Plä­nen von Ober­bauin­spek­tor Berg­er mit den Maß­nah­men begonnen. Die Gewölbe wur­den aus­gebessert, der Fuß­bo­den wieder tiefer gelegt, die Grabgewölbe in den Seit­en­schif­f­en instand geset­zt, das Fen­ster­maßw­erk erneuert und die Fen­ster far­big ver­glast, die Reste des alten Let­tners ent­fer­nt. An Stelle der alten Fresken im Chorschluss wur­den 14 neue gemalt.

Ansicht der Klosterkirche von Südwesten mit dem 1842-44 hinzugefügten Säulengang, Aufnahme 1890

Ansicht der Klosterkirche von Süd­west­en mit dem 1842–44 hinzuge­fügten Säu­len­gang, Auf­nahme 1890

Das Außen­bild zeigte sich durch die Erneuerung des Daches und des Frieses am Haupt­ges­ims des West­por­tals, dem Neubau ein­er Sakris­tei an der nördlichen Chor­wand, eines neuen Giebel­turms und zweier Türme an der West­seite mit neu­go­tis­chen Spitzen anstelle des alten 11 Trep­pen­turmes stark verän­dert. Zwis­chen 1842 und 1844 wurde vor der Süd­west­fas­sade ein Bogen­gang hinzuge­fügt. Dieser ging auf eine Idee von Karl Friedrich Schinkel zurück. Im Jahr 1902 musste die Kirche auf­grund von Schä­den durch ein­drin­gende Feuchtigkeit geschlossen wer­den. Zwis­chen 1926 und 1936 fan­den dann eine umfassende Restau­rierung und weit­ge­hen­der Rück­bau der zwis­chen 1842 und 1845 getätigten Umbau­maß­nah­men statt. Um die notwendi­ge Belüf­tung der Umfas­sungs­mauern zu gewährleis­ten, wur­den die Wände des Chor­poly­gons und die südliche Chor­wand bis zu ein­er Tiefe von zwei Metern freige­graben und die alten Grabgewölbe der Seit­en­schiffe aus­geräumt. Faules und morsches Mauer­w­erk in Wän­den und Pfeil­ern wurde ergänzt, das Dach neu gedeckt, mini die 1843 errichteten Türme an der West­front und der Dachre­it­er wieder abge­brochen. Der Innen­raum wurde sorgfältig restau­ri­ert. Im Jahr 1936 wurde die Kirche neu geweiht.9)Vgl. Leh. S. 129–135

Luftaufnahme des Klostergeländes mit starken Kriegszerstörungen, Aufnahme 1947

Luftauf­nahme des Klostergelän­des mit starken Kriegsz­er­störun­gen, Auf­nahme 1947

Im April 1945 wur­den Kirche und die Kloster­an­la­gen bei Bombe­nan­grif­f­en stark beschädigt. Von der Kirche erhal­ten blieben im Wesentlichen die Umfas­sungs­mauern auf der Nord-, Ost- und West­seite. Auf der Süd­seite wur­den das Seit­en­schiff und ein Teil der Kirchen­schiff­mauern zer­stört. Im Zuge von U-Bahn­bauar­beit­en im Jahr 1951 wur­den die Nord­west-Ecke des nördlichen Seit­en­schiffs und dessen Außen­mauer abge­tra­gen; die Spitze des West­giebels stürzte ab. 1954 legte der Ost­ber­lin­er Denkmalpfleger Bodo Köt­tler einen Vorschlag zum Wieder­auf­bau von Kirche und Kloster vor. Im Rah­men der Sanierung zwis­chen 1959 und 1961/63 wurde das östliche Ende des südlichen Seit­en­schiffs abge­tra­gen. Die Reste des Grauen Klosters wur­den 1968 für die Ver­bre­iterung der Gruner­straße abgerissen.10)Marx, Petra, „Zur Geschichte der bauhis­torischen Forschung und denkmalpflegerischen
Bemühun­gen – ein fachgeschichtlich­er Rück­blick.“ In: Lan­des­denkmalamt
Berlin (Hg.), Kirchen­ruine des Grauen Klosters in Berlin, Peters­berg: Michael
Imhof Ver­lag, 2007. S. 45–47
Die Umge­bung der Ruine wurde als Grü­nan­lage gestaltet.Sanierungen fan­den in den 1980er–mini Jahren, im Hin­blick auf die 750-Jahrfeier Berlins, und in den Jahren 2002 bis 2005 statt.

Text: Nicole Minten-Jung

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