Ausstellungen

[state­ment & dia­logue IV]

In der Ausstel­lungsrei­he (statement&dialogue) sind in diesem Jahr Kün­stler­po­si­tio­nen ein­ge­laden, deren Arbeit sich mit dem Ver­hält­nis von Atmo­sphäre und Form beschäfti­gen. Atmo­sphärischen sind dif­fuse Räume, in denen ein Zus­tand des Wan­dels erleb­bar wird. Die Kloster­an­lage des Franziskaneror­dens wurde über Jahrhun­derte  von vie­len Umbrüchen geprägt, welche bis in deren Grün­dungszeit hinein zurück­re­ichen.  Man kann die Spuren Berlin­er Stadt­geschichte dort noch immer als räum­liche Aura wahrnehmen.„In Atmo­sphären wird die Stadt in ihrer Kom­plex­ität und Dynamik spür­bar“, schreibt der Stadt­soziloge Jür­gen Has­se und oft sei es ger­ade das ortsspez­i­fis­che Oszil­lieren, das uns an Städten und Plätzen inter­essiert. Daher rührt auch unsere Fasz­i­na­tion gegenüber der Klosterkirche. Das his­torische Bau­denkmal befind­et sich inmit­ten eines  Stad­traums, der kün­ftig stark verän­dert wird. Um den Molken­markt und das Kloster­vier­tel entste­ht in den näch­sten Jahren ein „Umschlagsraum“, der die Aura der ehe­ma­li­gen Klosterkirche bee­in­flussen wird.

Bild: © Sebas­t­ian Häger

Ange­li­ka Mid­den­dorf war Meis­ter­schü­lerin an der Uni­ver­sität der Kün­ste Berlin und erforscht in ihren Pro­jek­ten The­men der Wahrnehmung und Kon­struk­tion von Real­ität. Sie entwick­elt ihre zeit­basierten Arbeit­en häu­fig als Momen­tauf­nah­men hoch kom­plex­er Wirk­lichkeitswel­ten. Es entste­hen min­i­mal­is­tis­che Inter­ven­tio­nen und raum­be­zo­gene Instal­la­tio­nen, die ein exper­i­mentelles Raum- und Zeit­fen­ster eröffnen.In ihrer Form­sprache ist sie seit jeher offen und arbeit­et mit inter­me­di­alen For­mat­en, wie  Videoin­stal­la­tio­nen und per­for­ma­tiv­en Inter­ven­tio­nen, Fotografie. In der Rei­he state­ment & dia­logue zeigt sie ihre Arbeit A THOUSAND AND ONE SEC. [IN_SPACE]. Ein Wassertropfen schwebt durch einen weißen, schein­bar schw­erelosen Raum. Die Schön­heit des Wassertropfens wird im tech­nis­chen Exper­i­ment des Para­belfluges zur Meta­pher ein­er ide­alen Welt, deren kon­stru­ierte Ober­fläche die Kün­st­lerin mit kurzen Bild­doku­menten aus der Wis­senschafts­geschichte des ver­gan­genen Jahrhun­derts auf­bricht.

Seit 2011 entwick­eln Anna Borgman und Can­dy Lenk ein gemein­sames kün­st­lerisches Werk. Bei­de studierten an der Kun­sthochschule Berlin Weißensee und betreiben ein Stu­dio in Berlin-Wed­ding. Ihr Aktions­feld ist der öffentliche Raum, aus dessen Orten die Kün­stler schöpfen und mit denen ihre Arbeit­en enge Verbindun­gen einge­hen. Ihre oft raum­greifend­en Instal­la­tio­nen ver­ste­hen sie als räum­liche Schicht­en eines Ortes und Ein­griffe in das Geflecht aus Men­sch, Geschichte und Sit­u­a­tion. Für die Ruine der Klosterkirche entwick­el­ten sie die Arbeit RADIATOR, eine zehn Meter hohe Skulp­tur aus Stahlrohren. Dadurch verbinden sie das sakrale Frag­ment des Klosters mit der mon­u­men­tal­en, im geschlosse­nen Kreis­lauf geführten Pipeline zu einem tem­porären Rau­mensem­ble. Für Borgman | Lenk sym­bol­isiert der raum­bildende RADIATOR ein absur­des, funk­tion­slos­es Interieur der Kirchen­ruine. Als tech­nis­ches Gerät erzeugt er für das Kün­stler­duo gedankliche Wärme, die im kon­ser­va­torisch erstar­rten Baufrag­ment jedoch wirkungs­los bleibt.

Mehr Infor­ma­tio­nen zu den Künstler*innen

www.borgmanlenk.com

Pressemappe zur Ausstel­lung statement&dialogue IV

Ausstellungsdauer: 09.06.2017–30.10.2017


Die Ausstel­lungsrei­he [state­ment & dia­logue] zeigt in den kom­menden Jahren aus­gewählte, site-spez­i­fis­che Arbeit­en, die in einen Dia­log mit dem Bau­denkmal treten und sich mit dessen beson­der­er Geschichte und den gegebe­nen städte­baulichen Beson­der­heit­en auseinan­der­set­zen.

Bild: © Hol­ger Her­schel

[state­ment & dia­logue III]

Die Kün­st­lerin­nen und Zwill­ingss­chwest­ern Maria und Natalia Petschat­nikov, geboren 1973 in Sankt Peters­burg, bewe­gen sich in ihren kün­st­lerischen Arbeit­en zwis­chen Malerei, Plas­tik und Rau­min­stal­la­tion. Nach dem Studi­um in New York und Paris führten Stipen­di­en und Res­i­den­zpro­gramme die bei­den u.a. nach Mar­seille (Frankre­ich), Mojacar (Spanien), Dublin (Irland) und Dale (Nor­we­gen). Im Anschluss zog es sie in die Hans­es­tadt Ham­burg und schließlich nach Berlin, wo sie seit 2000  leben und arbeit­en. Auf ihren Reisen, wie auch in ihren kün­st­lerischen Arbeit­en sind Maria und Natalia Petschat­nikov als Feld­forscherin­nen unter­wegs. Mit Blick für die kleinen Dinge erkun­den, inter­pretieren und exper­i­men­tieren sie mit Räu­men, Orten und Gegen­stän­den. Dem Alltäglichen und schein­bar Neben­säch­lichen schreiben sie neue Bedeu­tungs­geschicht­en zu und spiegeln in ihnen größere gesellschaftliche Phänomene. Mit ihrer Serie „Forschungsla­bor“ entwick­el­ten sie eine von Phan­tasie und Witz geprägte Arbeit, die Par­al­le­len zwis­chen Kun­st und Wis­senschaft her­ausar­beit­et. Die run­den, pelzi­gen Krea­turen in unter­schiedlichen Größen und natür­lichen Far­ben kön­nten gek­lonte Organ­is­men der Zukun­ft oder eine unbekan­nte Spezies aus längst ver­gan­gen Zeit­en sein. Für die Ausstel­lung „Crea­tures“ haben die Kün­st­lerin­nen die Fell­bälle in den  Außen­raum der Ruine der Klosterkirche platziert. Beobacht­en kann man diese kün­stlichen Krea­turen durch  das geschlossene Ein­gangstor der Ruine, das uns den Ort als eine Art Käfig wahrnehmen lässt. „Crea­tures“ exper­i­men­tiert mit dem Raum der Kirchen­ruine des mit­te­lal­ter­lichen Klosters und bewegt sich auf dem schmalen Grat zwis­chen Fik­tion und Real­ität. Die Instal­la­tion ver­weist auf den gegen­wär­ti­gen Zus­tand des Bau­denkmals in ein­er Sit­u­a­tion des Umbruchs, die sich auch als eine Art öffentlich­es Forschungsla­bor oder Zukun­ftswerk­statt beschreiben lässt.

Mehr Infor­ma­tio­nen zu den Kün­st­lerin­nen

www.petschatnikov.de

Ausstellungsdauer: 11.02.2017–30.04.2017

Falt­blatt zur Rau­min­stal­la­tion “Crea­tures”


Bild: © Hol­ger Her­schel

[state­ment & dia­logue II]

Der Licht- und Ton­de­sign­er Mar­tin Bre­tag sorgt erst­ma­lig dafür, dass die Ruine der Klosterkirche in der Win­terzeit nicht im Dunkeln bleibt. Seine Instal­la­tion aus Schein­wer­fern und Neon­röhren hüllt die Klosterkirchen­ruine in ein Lich­tam­bi­ente und zeich­net die einzi­gar­tige Architek­tur des kul­turgeschichtlichen Bau­denkmals nach. Seine Arbeit spielt mit der his­torischen Bausub­stanz und ver­set­zt den Stan­dort in eine mod­erne Lichtwerk­statt. Bre­tag greift Ele­mente der umliegen­den zeit­genös­sis­chen Stadtar­chitek­tur auf und überträgt sie auf den Boden des ehe­ma­li­gen Kirchen­raums.

Mar­tin Bre­tag, 1988 in Frankfurt/Oder geboren, studierte Kul­tur und Tech­nik und Wis­senschafts- und Tech­nikgeschichte an der Tech­nis­chen Uni­ver­sität zu Berlin. Seit 2012 betreut er als Licht- und Ton­de­sign­er mit sein­er Fir­ma Klangkul­tur viele regionale und über­re­gionale Ver­anstal­tun­gen, u.a. Konz­erte des Pop-Pro­jek­tes „Schiller“, der Gospel- und Soul­sän­gerin Ingrid Arthur und der Band „Radio Doria“ von Schaus­piel­er Jan-Joseph Liefers. Für sein Licht­de­sign zur Eröff­nung des Muse­ums „Himm­lis­ches The­ater“ in Neuzelle gewann Mar­tin Bre­tag 2016 den Future Tal­ents Project — Wet­tbe­werb. Grund­lage sein­er Arbeit als Licht- und Ton­de­sign­er ist stets der Ort bzw. der Raum. Das Spiel mit Har­monien und Dishar­monien, sowie die his­torischen Epochen eines Orts sind entschei­dend für seine Arbeit. Sein Schaf­fen begreift Bre­tag auf der Schwelle zwis­chen Kunst/Gestaltung und Tech­nik.

Ausstellungsdauer: 16.12.2016–02.04.2017

Pressemappe zur Lichtin­stal­la­tion von Mar­tin Bre­tag


Bild: © Hol­ger Her­schel

[state­ment & dia­logue I]

Der Lux­em­burg­er Kün­stler Luc Wolff hat in der Ruine der Klosterkirche eine raum­greifende Baustelle ein­gerichtet. Die in Berlin lebende Kün­st­lerin Patri­cia Det­mer­ing zeigt eine Videoin­stal­la­tion in den verbliebe­nen Innen­räu­men der Kirche und dehnt diese räum­lich bis auf die andere Seite der Erd­kugel aus.

Die Bilden­den Künstler*innen Luc Wolff und Patri­cia Det­mer­ing machen auf Ein­ladung des Fach­bere­ichs Kun­st und Kul­tur, kuratiert von Dr. Ute Müller-Tis­chler und Sebas­t­ian Häger, den Auf­takt für eine Rei­he von zeit­genös­sis­chen Posi­tio­nen in der Ruine der Franziskan­er Klosterkirche. Die Ausstel­lungsrei­he DIE RUINE DER KLOSTERKIRCHE [state­ment & dia­logue] zeigt kün­st­lerische Reflex­io­nen über das Kul­tur­denkmal aus dem Mit­te­lal­ter, dessen Geschichte und mögliche Rolle in nicht allzu fern­er Zukun­ft.

Luc Wolff, 1954 in Lux­em­burg geboren, studierte in den 80er Jahren Land­schaft­sar­chitek­tur und später Kun­st in Berlin. In seinen tem­porär angelegten Arbeit­en unter­sucht Wolff die Gren­zen etabliert­er Leben­sräume. Er geht auf vorge­fun­dene Orte ein und verän­dert diese auf eine leise, unspek­takuläre Weise, meist mit ein­fachen, alltäglichen Mit­teln. Durch das sub­tile Markieren augen­fäl­liger Raum­gren­zen im Kon­text funk­tionaler Architek­tur ver­weist Wolff auf das Aus­ge­gren­zte. Ver­meintlich isolierte, fest definierte Orte wer­den nicht mehr als solche wahrgenom­men. Beispiel­haft hier­für ist seine Arbeit „MAGAZZINO“, die 1997 als Lux­em­burg­er Bien­nale-Beitrag in Venedig zu sehen war. Wolff zeigt Orte im Wan­del, Orte mit flex­i­blen, durch­läs­si­gen Gren­zen, die Verän­derung zulassen oder gar gener­ieren. Er nen­nt sie „Baustellen“. Eine dieser Baustellen richtet Wolff in Form eines mon­u­men­tal­en Dek­agons (Zeh­necks) aus Baugerüstele­menten in der Ruine der Klosterkirche ein. Seine Arbeit greift die Apsis der Kirche for­mal auf und spiegelt diese räum­lich. Mit sein­er Instal­la­tion bezieht sich Wolff sowohl auf die baulichen Beson­der­heit­en des Raumes als auch auf dessen his­torische Funk­tion als Gotte­shaus. Die Ästhetik ein­er realen Baustelle an diesem abgeschiede­nen, ver­wun­sch­enen Ort ver­weist zudem auf die bevorste­hen­den Umbauprozesse in dem umliegen­den Are­al des Molken­mark­tes und dem Niko­laivier­tel.

Bild: ©Hol­ger_Her­schel

Patri­cia Det­mer­ing, 1980 in Arnstadt/Thüringen geboren, lebt und arbeit­et als Bildende Kün­st­lerin in Berlin. Bis 2015 studierte sie an der Hochschule für Bildende Kün­ste Dres­den, u. a. in der Klasse Ker­bach. Det­mer­ing unter­sucht medi­enüber­greifend Möglichkeit­en der Irri­ta­tion men­schlich­er Wahrnehmung. Ihren Arbeit­en unter­liegt die These, dass es keinen direk­ten Zugang zum Wesen der Dinge unser­er sinnlich erfass­baren Umwelt gibt, son­dern nur deren Erschei­n­ungs­form. Mit diesen For­men arbeit­et Patri­cia Det­mer­ing, bricht sie auf, beleuchtet deren Kon­texte und Kon­no­ta­tio­nen und spielt sie zurück zum Betrachter.Für die Ausstel­lung in der Ruine der Klosterkirche hat sie eine Videoin­stal­la­tion entwick­elt, die die Magie der verbliebe­nen, bish­er nicht öffentlichen Innen­räume der Kirche auf­greift und diese räum­lich aus­dehnt. In ihrer Arbeit „Anti­pod“ ist die Pro­jek­tion des Him­mels zu sehen, der sich von Berlin aus betra­chtet auf der gegenüber­liegen­den Seite der Erde befind­et. Im Gemäuer der Ruine der Klosterkirche simuliert Det­mer­ing hier­für ein Loch im Boden, mit dem Effekt, man würde ein­mal durch den kom­plet­ten Erd­kern hin­durch blick­en. Begleit­et wird ihre Arbeit durch ein Reise­tage­buch dem man in den kom­menden Wochen auf Insta­gram (www.instagram.com/patriciadetmering/) fol­gen kann.

Ausstellungsdauer: 02.09.–30.10.2016

Pressemappe zur Ausstel­lung von Patri­cia Det­mer­ing und Luc Wolff