Ausstellungen

Ausstel­lungsrei­he Unfin­ished His­to­ries

Geschichte ist zu Nar­ra­tiv­en geronnene Sprache; sie schreibt unweiger­lich Machtver­hält­nisse fort und fest. Und den­noch: Die Debat­ten um die his­torische Mitte Berlins verdeut­lichen, wie Geschichte in einem dauer­haft unabgeschlosse­nen Ver­hält­nis zur Gegen­wart ste­ht. Die Ausstel­lungsserie »Unfin­ished His­to­ries Vol. I bis IV« erforscht das Ver­hält­nis von Geschichte zum Poet­is­chen. Welche Poten­tiale eröffnet das Poet­is­che mit seinem Ver­mö­gen, die Regeln von Sprache zu unter­laufen und ihrer eigentlichen Kontin­genz Form zu ver­lei­hen?

Mit­telpunkt der Ausstel­lungsrei­he ist eine mul­ti­me­di­ale LED-Instal­la­tion auf der Innen­fläche der Kloster­ru­ine. Künstler*innen, die an der Schnittstelle von zeit­genös­sis­ch­er Lyrik und bilden­der Kun­st arbeit­en, sind ein­ge­laden, diese für jew­eils sechs bis acht Wochen auszufüllen. So wird die Kloster­ru­ine über die saisonale Schließung ab Ende Okto­ber hin­aus zum lebendi­gen Ausstel­lung­sort: die Instal­la­tion kann von außen erlebt wer­den.

Die mul­ti­me­di­ale Instal­la­tion wurde real­isiert von Alexan­der Buers (*1987 in Essen).


Foto: Georg Thieme

Unfin­ished His­to­ries Vol. II
Orsolya Kalász, Sean Bon­ney, Uljana Wolf

Eröff­nung: 22.11.2018 um 18 Uhr
Ausstel­lung: 23.11.2018 bis 13.01.2019

Vol. II des mehrteili­gen Ausstel­lung­spro­jek­ts »Unfin­ished His­to­ries« set­zt sich mit den inter­na­tionalen Lyriker*innen Orsolya Kalász, Sean Bon­ney und Uljana Wolf fort – kuratiert von Daniela Seel, Dich­terin und Ver­legerin des Berlin­er Ver­lags kook­books.

Orsolya Kalász (*1964 in Dunaújváros) lebt und arbeit­et als Lyrik­erin und Über­set­zerin in Berlin. Bere­its als Kind ver­brachte sie einige Jahre mit ihrer Fam­i­lie in Deutsch­land, wo ihr Deutsch zur zweit­en Sprache wird. Ihre Gedichte schreibt sie mal in der ungarischen, mal in der deutschen Sprache. Kalász’ jüng­ster Gedicht­band »Das Eine« (Brue­terich 2016) wurde mit dem Peter-Huchel-Preis 2017 aus­geze­ich­net.

Zu Sean Bon­neys Veröf­fentlichun­gen zählen »Ghosts« (Mate­ri­als, 2017) und »Let­ters Against the Fir­ma­ment« (Enithar­mon, 2015). Er hat seine Arbeit­en unter anderem auf Demon­stra­tio­nen, bei Streiks und in Sem­i­naren vorgestellt. In sein­er post­dok­toralen Forschung an der FU Berlin geht Bon­ney der Frage nach, wie radikale Dichter*innen auf die Nach­wirkun­gen der Finanzkrise 2008 reagiert haben. Er lebt und arbeit­et in Lon­don und Berlin.

Die Lyrik­erin, Über­set­zerin und Essay­istin Uljana Wolf (*1979 in Berlin) hat vier Gedicht­bände sowie zahlre­iche Über­set­zun­gen veröf­fentlicht, zulet­zt »meine schön­ste lengevitch« (kook­books 2013). Wolfs Werk wurde u.a. mit dem Erlan­gener Preis für Poe­sie als Über­set­zung und dem Adel­bert-von-Chamis­so-Preis aus­geze­ich­net. Sie lebt in Berlin und New York, wo sie Sem­i­nare zu Poe­sie und Über­set­zung unter­richtet.


Foto: Hol­ger Her­schel

Unfin­ished His­to­ries Vol. I
Etel Adnan – Night & Angels

Eröff­nung: 28.09.2018 um 18 Uhr
Ausstel­lung: 29.09. bis 18.11.2018

Das mehrteilige Ausstel­lung­spro­jekt »Unfin­ished His­to­ries« begin­nt mit der libane­sis­chen Malerin, Lyrik­erin und Essay­istin Etel Adnan, begleit­et durch eine Soundin­stal­la­tion von der Kom­pon­istin und Klangkün­st­lerin Ulrike Haage. »Vol. I – Night & Angels« wird kuratiert von der Pub­lizistin und Über­set­zerin Klau­dia Ruschkows­ki.

Die Biografie der Kün­st­lerin Etel Adnan ist von einem mul­ti­kul­turellen Umfeld geprägt. Sie kommt 1925 in Beirut, im franzö­sisch beset­zten Libanon, zur Welt. Die Tochter ein­er christlichen Griechin und eines mus­lim­is­chen Syr­ers studiert später an der Sor­bonne in Paris und in den USA in Berke­ley und Har­vard. Ihr Leben spielt sich for­t­an zwis­chen der Bucht von San Fran­cis­co, Beirut und Paris ab. Vor allem in ihrem lit­er­arischen Schaf­fen sind ihre Herkun­ft, ihre Fam­i­lie und die Geschichte des Nahen Ostens präsent. Mit ihren philosophis­chen Essays, Roma­nen, Gedicht­en und jour­nal­is­tis­chen Tex­ten macht sie sich schon in den 1970ern inter­na­tion­al einen Namen und avanciert zu ein­er wichti­gen Stimme der ara­bis­chen Lit­er­atur.

Am 12. Sep­tem­ber 2018 besuchte Christo­pher Weick­en­meier Etel Adnan in Paris. Ein Auszug aus ihrem Gespräch kön­nen Sie im Kul­tur Mitte Mag­a­zin nach­le­sen: www.kultur-mitte.de

Pressemappe_Unfinished His­to­ries Vol. I_Night & Angels_Etel Adnan


Ausstel­lungsrei­he [state­ment & dia­logue]

Die Ausstel­lungsrei­he [state­ment & dia­logue] zeigt aus­gewählte ortsspez­i­fis­che Arbeit­en, die in einen Dia­log mit dem Bau­denkmal treten, sich mit dessen beson­der­er Geschichte und den gegebe­nen städte­baulichen Beson­der­heit­en auseinan­der­set­zen.


Abbil­dung: Markus König und Christoph Tro­jok

[state­ment & dia­logue V]
the dead are los­ing or how to ruin an exhi­bi­tion

Ausstel­lung & Per­for­mances
23. Juni bis 18. August 2018

Alchemist in Res­i­dence: Pablo Schlum­berg­er
Autor in Res­i­dence: Max Wal­len­horst

Mit Arbeit­en von Hen­ry Wilde (aka Anto­nia Baehr), Tom Engels, Bryana Fritz, Neo Hül­ck­er (aka Prof. Pup­py), Catali­na Insignares, Franziska Lantz, Raimundas Malaŝauskas, Car­oli­na Men­donça, Luzie Mey­er, Aran­txa Mar­tinez, Paz Rojo, Pablo Schlum­berg­er, Mårten Spång­berg, Else Tune­myr, Max Wal­len­horst — kuratiert von Christo­pher Weick­en­meier

Lag der Schw­er­punkt der Ausstel­lung­spro­jek­te in der Kloster­ru­ine bish­er auf skulp­turalen und installa­tiv­en Arbeit­en, erweit­ert die Ausstel­lung und Per­for­mancerei­he »the dead are los­ing or how to ruin an exhi­bi­tion« das Pro­gramm um Posi­tio­nen aus der Per­for­mance-Kun­st. Kuratiert von Christo­pher Weick­en­meier präsen­tieren im Som­mer 2018 erst­mals Vertreter*innen der zeit­genös­sis­chen Per­for­mance- und Tanzszene ihre Arbeit­en und näh­ern sich an sechs Aben­den den zeitlichen und räum­lichen Beson­der­heit­en des Ortes an.

Per­for­mance ist eine Kun­st­form, die häu­fig mit der anwe­senden Gegen­wart in Verbindung gebracht und durch den ver­fal­l­enen Architek­turzu­s­tand der Klosterkirche in eine para­doxe Kon­stel­la­tion gerückt wird. Genau daran knüpft »the dead are los­ing or how to ruin an exhi­bi­tion« an und nimmt die Raum­si­t­u­a­tion als Anlass, sich kurz­er­hand selb­st zur Ruine zu erk­lären. Die Ausstel­lung bildet einen speku­la­tiv-fik­tionalen Raum, indem Per­for­mances – zu Münzen gegossen – alt, sehr alt wer­den kön­nen. Die Gren­ze zwis­chen dem, was Ausstel­lung und Per­for­mance, was damals und was jet­zt, und was wirk­lich oder nur behauptet ist, wird in einem kura­torisch-alchemistis­chem Vex­ier­spiel gezielt durcheinan­derge­bracht.

Sam­stag, 23. Juni 2018 — 20 Uhr
Hen­ry Wilde (aka Anto­nia Baehr) & Neo Hül­ck­er (aka Prof. Pup­py) — TENTACULUS OHRI
Aran­txa Mar­tinez & Paz Rojo — DOING DANCE
[based in the move­ment prac­tice devel­oped by the chore­o­g­ra­ph­er Paz Rojo in her piece ECLIPSE:MUNDO]
In DOING DANCE bewegt die Tänz­erin und Chore­o­graphin Aran­txa Mar­tinez ihren Tanz, springt ihn, tourt ihn, rollt ihn, hebt ihn, schüt­telt ihn. Sie insistiert indem sie desistiert. Par­al­lel ver­wan­deln sich einzelne Besucher*innen in der Zwei-zu-Eins Per­for­mance TENTACULUS OHRI zu ein­er Eule und kriegen von dem ange­hen­den Kom­pon­is­ten Hen­ry Wilde und dem amtieren­den Kom­pon­is­ten* Neo Hül­ck­er in ein­er selb­st­ge­baut­en Appa­ratur Tierg­eräusche ander­er Natur auf die Ohren.

Sam­stag, 7. Juli 2018 — 21.28 Uhr
Catali­na Insignares & Car­oli­na Men­donça USELESS LAND
USELESS LAND ist ein Work­shop der Chore­o­graphin­nen Car­oli­na Men­donça und Catali­na Insignares. Im Ver­lauf ein­er ganzen Nacht schaf­fen sie mit den Besucher*innen zusam­men eine Gemein­schaft von Schlafend­en und Wachen und lauschen einem Raum zwis­chen Dies- und Jen­seits. Mit Beiträ­gen von Sursig­nal (Rodri­go Andreol­li, Myr­i­am Lefkowitz, Mira Rama­her­i­lan­ja, Simon Ripoll-Huri­er, Théo Robine-Lan­glois)

Sam­stag, 21. Juli 2018 — 20 Uhr
Tom Engels & Bryana Fritz — LEAVING PALERMO
Franziska Lantz — ELASTIC BODY WAVES
Raimundas Malaŝauskas — LIKE
Der Autor und Redak­teur Tom Engels und die Chore­o­graphin und Autorin Bryana Fritz set­zen mit LEAVING PALERMO ihre Grad­wan­derun­gen zwis­chen Gen­res fort, und schreiben ent­lang von Paler­mo, zugle­ich Lieb­haber* und Stadt. Eine Per­for­mance aus skulp­turalen Sound und gesproch­enen Tex­ten. Die Kün­st­lerin und Musik­erin Franziska Lantz schafft in ELASTIC BODY WAVES einen Sound, der Kör­p­er und Materie durch­dringt und sich per­ma­nent zu verselb­st­ständi­gen dro­ht. In sein­er  Per­for­mance LIKE spricht Raimundas Malašauskas einen Text und der Text wird ihn sprechen. Er sagt von sich, dass er denkt, was er isst: Pilze.

Sam­stag, 4. August 2018 — 20 Uhr
Luzie Mey­er — CALL HER MILK SPILL HER NO USE CRYING HANG HER
Luzie Mey­ers kün­st­lerische Prax­is vere­int Sound, Per­for­mance, Film und Text. In CALL HER MILK SPILL HER NO USE CRYING HANG HER ver­sam­melt Mey­er alte und neue Arbeit­en und fragt nach der Unmöglichkeit von Begehren, Autoren­schaft und einem Selb­st, das fortwährend um sich zu wis­sen, bemüht ist.

Sam­stag, 11. August 2018 — 20 UHr
Mårten Spång­bergARRANGEMENTS/MANDARIN DUCKS
Mit ARRANGEMENTS/MANDARIN DUCKS zeigt der schwedis­che Chore­o­graph Mårten Spång­berg einen Tanz, indem sich Bilder und Land­schaften über­lagern, der im Detail ver­har­rt und sich niemals fügt. ARRANGEMENTS/MANDARIN DUCKS exper­i­men­tiert mit einem For­mal­is­mus, der in der Nacht seine Kon­turen ver­liert.

Sam­stag, 18. August 2018 — 20 Uhr
Else Tune­myrALLTING NU
In ALLTING NU set­zt die Chore­o­graphin Else Tune­myr ihre Unter­suchung von pas­siv­en und erschöpften Kör­pern fort und zeigt in der Kloster­ru­ine einen Tanz, bei dem Tänz­erin­nen — im stillen Sin­gen zum Chor vere­int – sich bewusst und kon­tinuier­lich arbei­t­end entziehen.

Pressemappe_the dead are los­ing or how to ruin an exhi­bi­tion


Bild: © Sebas­t­ian Häger

[state­ment & dia­logue IV]

Borgman | Lenk und Ange­li­ka Mid­den­dorf
Ausstel­lungszeitraum: 09.06.2017 bis 27.05.2018

Ange­li­ka Mid­den­dorf war Meis­ter­schü­lerin an der Uni­ver­sität der Kün­ste Berlin und erforscht in ihren Pro­jek­ten The­men der Wahrnehmung und Kon­struk­tion von Real­ität. Sie entwick­elt ihre zeit­basierten Arbeit­en häu­fig als Momen­tauf­nah­men hoch kom­plex­er Wirk­lichkeitswel­ten. Es entste­hen min­i­mal­is­tis­che Inter­ven­tio­nen und raum­be­zo­gene Instal­la­tio­nen, die ein exper­i­mentelles Raum- und Zeit­fen­ster eröffnen.In ihrer Form­sprache ist sie seit jeher offen und arbeit­et mit inter­me­di­alen For­mat­en, wie  Videoin­stal­la­tio­nen und per­for­ma­tiv­en Inter­ven­tio­nen, Fotografie. In der Rei­he state­ment & dia­logue zeigt sie ihre Arbeit A THOUSAND AND ONE SEC. [IN_SPACE]. Ein Wassertropfen schwebt durch einen weißen, schein­bar schw­erelosen Raum. Die Schön­heit des Wassertropfens wird im tech­nis­chen Exper­i­ment des Para­belfluges zur Meta­pher ein­er ide­alen Welt, deren kon­stru­ierte Ober­fläche die Kün­st­lerin mit kurzen Bild­doku­menten aus der Wis­senschafts­geschichte des ver­gan­genen Jahrhun­derts auf­bricht.

Seit 2011 entwick­eln Anna Borgman und Can­dy Lenk ein gemein­sames kün­st­lerisches Werk. Bei­de studierten an der Kun­sthochschule Berlin Weißensee und betreiben ein Stu­dio in Berlin-Wed­ding. Ihr Aktions­feld ist der öffentliche Raum, aus dessen Orten die Kün­stler schöpfen und mit denen ihre Arbeit­en enge Verbindun­gen einge­hen. Ihre oft raum­greifend­en Instal­la­tio­nen ver­ste­hen sie als räum­liche Schicht­en eines Ortes und Ein­griffe in das Geflecht aus Men­sch, Geschichte und Sit­u­a­tion. Für die Ruine der Klosterkirche entwick­el­ten sie die Arbeit RADIATOR, eine zehn Meter hohe Skulp­tur aus Stahlrohren. Dadurch verbinden sie das sakrale Frag­ment des Klosters mit der mon­u­men­tal­en, im geschlosse­nen Kreis­lauf geführten Pipeline zu einem tem­porären Rau­mensem­ble. Für Borgman | Lenk sym­bol­isiert der raum­bildende RADIATOR ein absur­des, funk­tion­slos­es Interieur der Kirchen­ruine. Als tech­nis­ches Gerät erzeugt er für das Kün­stler­duo gedankliche Wärme, die im kon­ser­va­torisch erstar­rten Baufrag­ment jedoch wirkungs­los bleibt.

Mehr Infor­ma­tio­nen zu den Künstler*innen: www.borgmanlenk.com

Pressemappe zur Ausstel­lung statement&dialogue IV


Bild: © Hol­ger Her­schel

[state­ment & dia­logue III]

Maria und Natalia Petschat­nikov
Ausstel­lungszeitraum: 11.02.2017 bis 30.04.2017

Die Kün­st­lerin­nen und Zwill­ingss­chwest­ern Maria und Natalia Petschat­nikov, geboren 1973 in Sankt Peters­burg, bewe­gen sich in ihren kün­st­lerischen Arbeit­en zwis­chen Malerei, Plas­tik und Rau­min­stal­la­tion. Nach dem Studi­um in New York und Paris führten Stipen­di­en und Res­i­den­zpro­gramme die bei­den u.a. nach Mar­seille (Frankre­ich), Mojacar (Spanien), Dublin (Irland) und Dale (Nor­we­gen). Im Anschluss zog es sie in die Hans­es­tadt Ham­burg und schließlich nach Berlin, wo sie seit 2000  leben und arbeit­en. Auf ihren Reisen, wie auch in ihren kün­st­lerischen Arbeit­en sind Maria und Natalia Petschat­nikov als Feld­forscherin­nen unter­wegs. Mit Blick für die kleinen Dinge erkun­den, inter­pretieren und exper­i­men­tieren sie mit Räu­men, Orten und Gegen­stän­den. Dem Alltäglichen und schein­bar Neben­säch­lichen schreiben sie neue Bedeu­tungs­geschicht­en zu und spiegeln in ihnen größere gesellschaftliche Phänomene. Mit ihrer Serie „Forschungsla­bor“ entwick­el­ten sie eine von Phan­tasie und Witz geprägte Arbeit, die Par­al­le­len zwis­chen Kun­st und Wis­senschaft her­ausar­beit­et. Die run­den, pelzi­gen Krea­turen in unter­schiedlichen Größen und natür­lichen Far­ben kön­nten gek­lonte Organ­is­men der Zukun­ft oder eine unbekan­nte Spezies aus längst ver­gan­gen Zeit­en sein. Für die Ausstel­lung „Crea­tures“ haben die Kün­st­lerin­nen die Fell­bälle in den  Außen­raum der Ruine der Klosterkirche platziert. Beobacht­en kann man diese kün­stlichen Krea­turen durch  das geschlossene Ein­gangstor der Ruine, das uns den Ort als eine Art Käfig wahrnehmen lässt. „Crea­tures“ exper­i­men­tiert mit dem Raum der Kirchen­ruine des mit­te­lal­ter­lichen Klosters und bewegt sich auf dem schmalen Grat zwis­chen Fik­tion und Real­ität. Die Instal­la­tion ver­weist auf den gegen­wär­ti­gen Zus­tand des Bau­denkmals in ein­er Sit­u­a­tion des Umbruchs, die sich auch als eine Art öffentlich­es Forschungsla­bor oder Zukun­ftswerk­statt beschreiben lässt.

Mehr Infor­ma­tio­nen zu den Kün­st­lerin­nen: www.petschatnikov.de

Falt­blatt zur Rau­min­stal­la­tion “Crea­tures”


Bild: © Hol­ger Her­schel

[state­ment & dia­logue II]

Mar­tin Bre­tag
Ausstel­lungszeitraum: 16.12.2016 bis 02.04.2017

Der Licht- und Ton­de­sign­er Mar­tin Bre­tag sorgt erst­ma­lig dafür, dass die Ruine der Klosterkirche in der Win­terzeit nicht im Dunkeln bleibt. Seine Instal­la­tion aus Schein­wer­fern und Neon­röhren hüllt die Klosterkirchen­ruine in ein Lich­tam­bi­ente und zeich­net die einzi­gar­tige Architek­tur des kul­turgeschichtlichen Bau­denkmals nach. Seine Arbeit spielt mit der his­torischen Bausub­stanz und ver­set­zt den Stan­dort in eine mod­erne Lichtwerk­statt. Bre­tag greift Ele­mente der umliegen­den zeit­genös­sis­chen Stadtar­chitek­tur auf und überträgt sie auf den Boden des ehe­ma­li­gen Kirchen­raums.

Mar­tin Bre­tag, 1988 in Frankfurt/Oder geboren, studierte Kul­tur und Tech­nik und Wis­senschafts- und Tech­nikgeschichte an der Tech­nis­chen Uni­ver­sität zu Berlin. Seit 2012 betreut er als Licht- und Ton­de­sign­er mit sein­er Fir­ma Klangkul­tur viele regionale und über­re­gionale Ver­anstal­tun­gen, u.a. Konz­erte des Pop-Pro­jek­tes „Schiller“, der Gospel- und Soul­sän­gerin Ingrid Arthur und der Band „Radio Doria“ von Schaus­piel­er Jan-Joseph Liefers. Für sein Licht­de­sign zur Eröff­nung des Muse­ums „Himm­lis­ches The­ater“ in Neuzelle gewann Mar­tin Bre­tag 2016 den Future Tal­ents Project — Wet­tbe­werb. Grund­lage sein­er Arbeit als Licht- und Ton­de­sign­er ist stets der Ort bzw. der Raum. Das Spiel mit Har­monien und Dishar­monien, sowie die his­torischen Epochen eines Orts sind entschei­dend für seine Arbeit. Sein Schaf­fen begreift Bre­tag auf der Schwelle zwis­chen Kunst/Gestaltung und Tech­nik.

Pressemappe zur Lichtin­stal­la­tion von Mar­tin Bre­tag


Bild: © Hol­ger Her­schel

[state­ment & dia­logue I]

Luc Wolff und Patri­cia Det­mer­ing
Ausstel­lungszeitraum: 02.09. bis 30.10.2016

Der Lux­em­burg­er Kün­stler Luc Wolff hat in der Ruine der Klosterkirche eine raum­greifende Baustelle ein­gerichtet. Die in Berlin lebende Kün­st­lerin Patri­cia Det­mer­ing zeigt eine Videoin­stal­la­tion in den verbliebe­nen Innen­räu­men der Kirche und dehnt diese räum­lich bis auf die andere Seite der Erd­kugel aus.

Die Bilden­den Künstler*innen Luc Wolff und Patri­cia Det­mer­ing machen auf Ein­ladung des Fach­bere­ichs Kun­st und Kul­tur, kuratiert von Dr. Ute Müller-Tis­chler und Sebas­t­ian Häger, den Auf­takt für eine Rei­he von zeit­genös­sis­chen Posi­tio­nen in der Ruine der Franziskan­er Klosterkirche. Die Ausstel­lungsrei­he DIE RUINE DER KLOSTERKIRCHE [state­ment & dia­logue] zeigt kün­st­lerische Reflex­io­nen über das Kul­tur­denkmal aus dem Mit­te­lal­ter, dessen Geschichte und mögliche Rolle in nicht allzu fern­er Zukun­ft.

Luc Wolff, 1954 in Lux­em­burg geboren, studierte in den 80er Jahren Land­schaft­sar­chitek­tur und später Kun­st in Berlin. In seinen tem­porär angelegten Arbeit­en unter­sucht Wolff die Gren­zen etabliert­er Leben­sräume. Er geht auf vorge­fun­dene Orte ein und verän­dert diese auf eine leise, unspek­takuläre Weise, meist mit ein­fachen, alltäglichen Mit­teln. Durch das sub­tile Markieren augen­fäl­liger Raum­gren­zen im Kon­text funk­tionaler Architek­tur ver­weist Wolff auf das Aus­ge­gren­zte. Ver­meintlich isolierte, fest definierte Orte wer­den nicht mehr als solche wahrgenom­men. Beispiel­haft hier­für ist seine Arbeit „MAGAZZINO“, die 1997 als Lux­em­burg­er Bien­nale-Beitrag in Venedig zu sehen war. Wolff zeigt Orte im Wan­del, Orte mit flex­i­blen, durch­läs­si­gen Gren­zen, die Verän­derung zulassen oder gar gener­ieren. Er nen­nt sie „Baustellen“. Eine dieser Baustellen richtet Wolff in Form eines mon­u­men­tal­en Dek­agons (Zeh­necks) aus Baugerüstele­menten in der Ruine der Klosterkirche ein. Seine Arbeit greift die Apsis der Kirche for­mal auf und spiegelt diese räum­lich. Mit sein­er Instal­la­tion bezieht sich Wolff sowohl auf die baulichen Beson­der­heit­en des Raumes als auch auf dessen his­torische Funk­tion als Gotte­shaus. Die Ästhetik ein­er realen Baustelle an diesem abgeschiede­nen, ver­wun­sch­enen Ort ver­weist zudem auf die bevorste­hen­den Umbauprozesse in dem umliegen­den Are­al des Molken­mark­tes und dem Niko­laivier­tel.

Bild: ©Holger_Herschel

Patri­cia Det­mer­ing, 1980 in Arnstadt/Thüringen geboren, lebt und arbeit­et als Bildende Kün­st­lerin in Berlin. Bis 2015 studierte sie an der Hochschule für Bildende Kün­ste Dres­den, u. a. in der Klasse Ker­bach. Det­mer­ing unter­sucht medi­enüber­greifend Möglichkeit­en der Irri­ta­tion men­schlich­er Wahrnehmung. Ihren Arbeit­en unter­liegt die These, dass es keinen direk­ten Zugang zum Wesen der Dinge unser­er sinnlich erfass­baren Umwelt gibt, son­dern nur deren Erschei­n­ungs­form. Mit diesen For­men arbeit­et Patri­cia Det­mer­ing, bricht sie auf, beleuchtet deren Kon­texte und Kon­no­ta­tio­nen und spielt sie zurück zum Betrachter.Für die Ausstel­lung in der Ruine der Klosterkirche hat sie eine Videoin­stal­la­tion entwick­elt, die die Magie der verbliebe­nen, bish­er nicht öffentlichen Innen­räume der Kirche auf­greift und diese räum­lich aus­dehnt. In ihrer Arbeit „Anti­pod“ ist die Pro­jek­tion des Him­mels zu sehen, der sich von Berlin aus betra­chtet auf der gegenüber­liegen­den Seite der Erde befind­et. Im Gemäuer der Ruine der Klosterkirche simuliert Det­mer­ing hier­für ein Loch im Boden, mit dem Effekt, man würde ein­mal durch den kom­plet­ten Erd­kern hin­durch blick­en. Begleit­et wird ihre Arbeit durch ein Reise­tage­buch dem man in den kom­menden Wochen auf Insta­gram (www.instagram.com/patriciadetmering/) fol­gen kann.

Pressemappe zur Ausstel­lung von Patri­cia Det­mer­ing und Luc Wolff