Die Welt sieht zurück
Kurzfilmprogramm mit Andrés Khamis, Francisca Khamis, Isaac Martínez, Caroline Monnet, Nnenna Onuoha, Amin Pakparvar, Mehraneh Salimian
Veranstaltung
28. August 2026, 20:00 Eintritt frei

Bild: Standbild aus Memories of a Window – Mehraneh Salimian & Amin Pakparvar, 2026
Die Welt sieht zurück beschreibt eine Verschiebung: Nicht nur wir schauen, unser Blick wird auch erwidert. Bilder, Zeug*innenschaft, Körper sowie individueller und kollektiver Ausdruck schaffen Formen der Wahrnehmung, in denen die Welt reagiert und antwortet. Der Blick bleibt dabei nicht ruhig, sondern wird instabil. Gezeigt werden Kurzfilme zwischen Experimentalfilm, Tanzfilm, Dokumentarfilm und künstlerischer Filmarbeit.
Sie erzählen von Protest und Alltag, Erinnerungskultur und institutioneller Macht, Erfahrungen und Stimmen aus Schwarzen, feministischen, indigenen, diasporischen und dekolonialen Perspektiven. Hier werden Widerstand und Geschichte(n) spürbar, ohne sich eindeutig festschreiben zu lassen.
Die Klosterruine als historischer Ort, die Installation und ihre vielfältigen Schichten bilden einen Resonanzraum, in dem die filmischen Arbeiten aufeinandertreffen und miteinander sowie mit dem Publikum in Beziehung treten. Im Zentrum steht die Frage, wie wir blicken – und was dabei mit uns passiert. Was bleibt, was verändert sich? Wer schaut, wer erzählt, und wer wird sichtbar? Das Kurzfilmprogramm macht erfahrbar: Was wir sehen, wirkt weiter – in unserer Wahrnehmung und darin, wie wir die Welt lesen.
Das Filmprogramm wird kuratiert von Canan Turan.
Filminfos und Synopsen
Black Youth
4 min, 2023, Deutschland
Von Isaac Martínez
Bild: Standbild aus Black Youth – Max Baumeister, 2023
Black Youth setzt sich mit dem Erwachsenwerden junger Schwarzer Menschen in einer westlichen, von weißen und heteronormativen Strukturen geprägten Gesellschaft auseinander. Vor einer Schneelandschaft verbindet der Film eindringliche Bilder junger Schwarzer Männer mit Spoken Poetry über Rassismus und Ausgrenzung sowie über die Wut und Trauer, als „fremd“ markiert zu werden. Zwischen Verletzlichkeit und Widerstand verdichtet sich persönliche zu geteilter Erfahrung. Im Zentrum steht die Frage, wie Schwarze Stimmen in einer weißen Mehrheitsgesellschaft gehört werden können.

The Memory Guardians
13 min, 2024, Deutschland
Von Nnenna Onuoha
Bild: Standbild aus The Memory Guardians – Nnenna Onuoha, 2024
Was sollte mit der Statue der knienden Frau geschehen, die als rassistisch gelesen, beschädigt und schließlich in ein Museum überführt wurde? Im fiktiven Gericht der „Memory Guardians“ wird darüber verhandelt. Die Positionen gehen weit auseinander: Sie reichen von einer öffentlichen Ausstellung als warnendes Zeichen gegen „linken Extremismus“ über die Verwahrung im Schaudepot zur historischen Einordnung bis hin zur Forderung nach ihrer Zerstörung. Dabei tritt auch die Statue selbst als eigene Stimme in Erscheinung.

Memories of a Window
19 min, 2026, USA / Iran
Von Mehraneh Salimian & Amin Pakparvar
Bild: Standbild aus Memories of a Window – Mehraneh Salimian & Amin Pakparvar, 2026
Ist eine Revolution möglich, wenn sie nur durch Fenster und Bildschirme sichtbar wird? Nach der Niederschlagung von Protesten im Iran beginnen Studierende und Zivilist*innen, das Geschehen aus Wohnungen und Autos heraus zu dokumentieren. Aus den fragmentierten Aufnahmen entsteht nach und nach ein alternatives Archiv, das der offiziellen Darstellung die Bilder und Erfahrungen der Zivilbevölkerung entgegensetzt. Als eine Demonstrantin beim Filmen erschossen wird, schreibt eine Filmstudentin ihr einen Brief. Erinnerungen überlagern sich mit wackligen, anonym geteilten Aufnahmen aus Innenräumen und Übergängen zwischen privat und öffentlich.

Pidikwe
10 min, 2025, Kanada
Von Caroline Monnet
Bild: Standbild aus Pidikwe – Caroline Monnet, 2025
Traditionelle und zeitgenössische Tänze indigener Frauen aus verschiedenen Generationen werden zu einem audiovisuellen Strom zwischen Film und Performance verwoben. Gedreht auf analogem Filmmaterial nähert sich die Arbeit der kanadischen Anishinaabe*-Künstlerin und Filmemacherin Caroline Monnet der Ästhetik der 1920er Jahre und bewegt sich zwischen Gegenwart und Vergangenheit, die sich im Tanz überlagern. Ausgangspunkt ist eine Auseinandersetzung mit der Repräsentation indigener Frauen im Spannungsfeld kolonial geprägter Körperbilder.
*Anishinaabe ist die kulturelle und politische Bezeichnung mehrerer First Nations in Nordamerika.

Baisanos
14 min, 2025, Chile, Palästina, Spanien
Von Andrés Khamis Giacoman & Francisca Khamis Giacoman
Bild: Standbild aus Baisanos – Andrés Khamis Giacoman & Francisca Khamis Giacoman, 2025
Im Umfeld des Fußballclubs Deportivo Palestino und seiner leidenschaftlichen Fangemeinde erkundet Baisanos die Verbindungen zwischen Chile und Palästina sowie die Frage, wie Identität, Zugehörigkeit und Erinnerung über Generationen und Grenzen hinweg weitergetragen werden. Der Film begleitet Stimmen einer Diaspora, für die Fußball weit über den Sport hinausgeht: als Ort von Gemeinschaft, Solidarität und kultureller Selbstbehauptung, in dem das Tragen der Farben Palästinas zu einem Akt des Widerstands wird. Zwischen Stadiongesängen, Symbolen und persönlichen Geschichten entfaltet sich ein Raum zwischen beobachtender Nähe und poetischer Erzählung.

Über die Kuratorin

Canan Turan, Foto: Taya Raevskaya