(NOT I)

Nazanin Noori

Ausstellung

16.10.2026 – 25.04.2027 Eröffnung: 16.10.2026

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(NOT I), film still, 2026. Courtesy of the artist.

Während der Wintermonate wird die ortsspezifische Installation BEHOLD GOD IN ALL THAT EXISTS IN HIS NAME in der Klosterruine Berlin durch eine stumme Video-Intervention als Teil der Ausstellungsserie Unfinished Histories erweitert. Die etwa fünfminütige Videoarbeit (NOT I) wird auf einem LED-Screen in der Rotunde gezeigt.

BEHOLD GOD IN ALL THAT EXISTS IN HIS NAME besteht aus vier beleuchteten Rollwegweisern, die als zwölf Meter lange lineare Lichtskulptur im ehemaligen Kirchenraum angeordnet sind. Die Schilder behalten die formale Sprache der Luftfahrtbeschilderung bei: rechteckige Aluminiumkörper mit von innen beleuchteten Flächen, die auf Flugfeldern der Orientierung und Lenkung von Bewegungen dienen. In der Installation stehen die vier Elemente unmittelbar nebeneinander und bilden eine durchgehende Linie mit dem Satz BEHOLD GOD IN ALL THAT EXISTS IN HIS NAME. Aus ihrem ursprünglichen Funktionszusammenhang gelöst, bringen die Schilder ein System von Wegweisung und Orientierung in die Architektur des ehemaligen Sakralraums.

Die Video-Intervention führt den Umgang mit Text und Licht im bewegten Bild weiter. In Nahaufnahme ist ein Mund zu sehen, der das von der Künstlerin verfasste Gedicht (NOT I) artikuliert. Die Arbeit bleibt ohne Ton. Der Text wird ausschließlich über Untertitel lesbar. Englisch, Deutsch und Farsi wechseln einander ab, wiederholen sich, überlagern und verschieben sich und bleiben teilweise unübersetzt nebeneinander stehen.

Titel und Bildsetzung von (NOT I) verweisen auf Samuel Becketts gleichnamiges Theaterstück, dass 1972 uraufgeführt wurde. Der Bezug liegt dabei weniger in einer inhaltlichen Entsprechung als in der Art, wie Sprache einen Zustand artikuliert. Auch (NOT I) folgt keiner linearen Erzählung. Das Gedicht entwickelt sich über Wiederholung, Behauptung und Rücknahme, über Wechsel und Brüche zwischen den Sprachen. Menschlichkeit und Göttlichkeit, Erinnerung und Mutterschaft sowie das Sprechen im Namen Gottes erscheinen darin nicht als voneinander getrennte Themen, sondern als gleichzeitig anwesende sprachliche Zustände.

Die Mehrsprachigkeit ist Teil dieser Bewegung. Englisch, Deutsch und Farsi stehen nicht als vollständige Übersetzungen voneinander, sondern setzen unterschiedliche Register und Bedeutungsräume nebeneinander. Sprache wird wieder aufgenommen, verändert oder in einer anderen Sprache fortgeführt. Das Gedicht bleibt dabei in Bewegung und hält seine Aussagen in einem Zustand zwischen Setzung und Auflösung.

Zur feststehenden, leuchtenden Schrift der Skulptur treten das bewegte Bild eines Mundes und Text, der auf dem Bildschirm erscheint und wieder verschwindet. Während die Schriftskulptur Sprache als dauerhaftes Zeichen in den Raum setzt, erscheint sie in der Intervention zeitlich, körperlich und in wechselnden sprachlichen Formen.

Die Videoarbeit ist von außen sichtbar und erweitert die bestehende Installation temporär um bewegtes Bild und mehrsprachigen Text und fügt der leuchtenden Schriftskulptur eine weitere, aus dem Inneren der Ruine sichtbare Textebene hinzu.

Die Ausstellungsserie Unfinished Histories ist ein seit zehn Jahren etabliertes Projekt für die Wintermonate in der Klosterruine. Im Zentrum steht eine multimediale LED-Installation, die von wechselnden Künstlerinnen und Kuratorinnen lyrisch, essayistisch oder künstlerisch bespielt wird.

Gedicht und Video: Nazanin Noori
Performance: Kate Strong
Kamera und Filmproduktion: Alushi Kanaan
Make-up: Joe Onde
Flyerdesign: operative.space